Gallenkolik

Die Gallenkolik ist das häufigste Problem, das Gallensteine verursachen. Sie tritt in Verbindung mit fast allen Gallenblasenerkrankungen auf. Wenn Steine die Gallengänge verstopfen, hindern sie das Sekret am Fluss. Um der Stauung entgegenzuwirken, zieht sich die Gallenblase dann in regelmäßigen Abständen krampfartig zusammen.


© Kzenon, Gallenkolik


Auch wenn die Schmerzen, die manche Patienten schlimmer als Wehen empfinden, beängstigend sind, geht die Mehrzahl von allein vorüber, ohne Folgeschäden zu verursachen. Trotzdem sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen, denn in manchen Fällen kann sie auch ein Anzeichen für sehr gefährliche Krankheiten sein, wie Entzündungen der Gallenblase, der Gallengänge und der Bauchspeicheldrüse, Darmverschluss, Leberschäden oder in sehr seltenen Fällen sogar Gallenblasenkrebs.

Die erste Kolik zieht weitere nach sich

Eine Kolik kann zwischen 15 Minuten und fünf Stunden lang dauern. Meist treten die wellenförmig aufkommenden Schmerzen plötzlich auf. Aber sie können sich auch von einem Völlegefühl oder unspezifischen Bauchschmerzen zur Kolik steigern. Das Schmerzzentrum liegt üblicherweise im rechten Oberbauch unter dem Rippenbogen. Bei einer andauernden Kolik strahlt der Schmerz aber auch in den rechten Arm und das Schulterblatt aus. Selbst das Einatmen tut dann weh. Zudem leidet der Betroffene häufig auch an Übelkeit, Erbrechen, Aufstoßen, Blähungen, einem extremen Völlegefühl, Schwindel und Fieber. Sind alle Beschwerden abgeklungen, kommt es häufig innerhalb der nächsten Tage oder Monate zu erneuten Koliken. Ist die Zusammensetzung der Galle einmal gestört gewesen, reagiert die Gallenblase in Zukunft noch sensibler auf Veränderungen.

Diagnose mit Ultraschall

Der Verdacht auf eine Erkrankung der Gallenblase erhärtet sich meist schon im Gespräch mit dem Arzt, wenn der Patient seine Symptome schildert. Um den Ursprung einer Kolik zu bestimmen, setzt der Arzt verschiedene bildgebende Verfahren ein. Meistens untersucht er zunächst den Oberbauch mit dem Ultraschallgerät. Um ein sichereres Ergebnis zu erhalten, kann er zusätzlich eine endoskopische Untersuchung durchführen. Dazu wird dem Patienten ein Instrument mit Sichtgerät über den Mund und durch den Magen eingeführt. Der Arzt kann so anhand der Bilder Lage und Form und mittels einer Gewebeprobe die Zusammensetzung der Steine bestimmen und eine entsprechende Therapie verordnen. Eine Blutuntersuchung kann klären, ob eine Entzündung vorliegt und inwieweit die Leber- und Gallenwerte von der Norm abweichen. Zudem kann der Arzt so feststellen, ob Erkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion, Leberzirrhose oder Diabetes die Gallensteinbildung verursacht haben.

Die Operation als Ausweg

Um eine akute Kolik zu behandeln, spritzt der Arzt dem Patienten ein krampflösendes und ein schmerzstillendes Medikament. Begleitend können Kräutertees mit Fenchel, Kümmel oder Gänsefingerkraut und eine Wärmflasche oder wärmende Gel- oder Heu-Kompressen die Krämpfe lindern. Besser als sich hinzulegen, ist es, sich zu bewegen, das kann den Abgang der Gallensteine beschleunigen. Der Betroffene sollte nach der Behandlung 24 Stunden lang keine Nahrung zu sich nehmen – da die meisten Kolikpatienten unter einem unangenehmen Völlegefühl leiden, ist ihr Appetit aber ohnehin nicht groß.

Sind die Symptome abgeklungen, kann der behandelnde Arzt ein Medikament verschreiben, das die Steine auflöst (orale Litholyse). Das gelingt allerdings nur, wenn sie nicht größer als fünf Millimeter sind. Häufig verordnen einige Mediziner zusätzlich auch eine fett- und kohlehydratarme Ernährung, um das Gewicht ihrer Patienten zu reduzieren. Damit die Gallensteine aber auf längere Sicht keine schwereren Schäden verursachen können, empfehlen die meisten Ärzte ihren Kolikpatienten eine operative Entfernung der gesamten Gallenblase (Cholezystektomie). Chirurgen führen diese minimal invasive Operation in Deutschland 190.000 Mal im Jahr durch – ein Routineeingriff.

Schlüsselloch-OP ist Standard

Die Technik, um den Störenfried Gallenblase loszuwerden, ist daher sehr ausgefeilt. Die Standardmethode ist die laparoskopische Cholezystektomie. Bei dieser sogenannten Schlüsselloch-Chirurgie führt der Arzt dem Patienten wie für eine Bauchspiegelung nach einem kleinen Schnitt in den Bauchraum ein Laparoskop ein, ein Gerät mit Kamera, Licht, Vergrößerungslinse sowie Absaug- und Spülvorrichtungen. Mit dessen Hilfe kann der Arzt sehen, wo sich die Gallenblase befindet, ohne den gesamten Bauch aufschneiden zu müssen. Zwei bis drei weitere kleine Schnitte reichen aus, um Arbeitsinstrumente in den Bauchraum einzubringen, mit denen er die Gallenblase entfernen kann. Es bleiben nur minimale Narben zurück.

Das Loch, das diese 190 000 Entfernungen der kleinen Gallenblase im Jahr in die Gesundheitskasse reißen, ist dafür aber umso größer.Gerade beurteilte die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) zudem das neue „Single Port“-Verfahren als sicher und erfolgreich. Dabei entfernt der Chirurg nur über einen einzigen Schnitt im Bauchnabel die Gallenblase. Auch hier sind Komplikationen selten, und die Narbe ist danach kaum zu sehen. Das Problem ist nur, dass die hohen Preise für die speziellen Instrumente dieses Verfahren noch teurer als die herkömmliche Technik machen. Daher möchte die DGCH eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse durchführen.

Vorbeugen mit ausgewogener Ernährung

Die Bildung von Gallensteinen zu verhindern, ist im Grunde die einzige Möglichkeit, einer Gallenkolik vorzubeugen. Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung und regelmäßiger Sport können das Risiko eindämmen. Schon eine halbe Stunde Fahrradfahren täglich senkt die Wahrscheinlichkeit, Steine zu entwickeln. Letztendlich ermahnt uns die Gallenblase, nicht der Völlerei zu verfallen und träge zu werden. Und nicht nur zu viel, auch zu wenig Nahrung ist nicht gut. Heilfasten oder einseitige, zu forcierte Diäten, können ebenfalls zu Beschwerden führen, da sie die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit aus dem Gleichgewicht bringen können.

Ein Organ mit Botschaft

Die Galle ist also, auch wenn sie im Bewusstsein vieler Menschen nur eine Randexistenz fristet, ein wichtiges Sekret für unsere Fettverdauung. Dank unseres üppigen Nahrungsangebots brauchen Menschen heute es zwar nicht mehr in Massen, aber ganz darauf verzichten können sie nicht.

Den Vorratsspeicher Gallenblase benötigt dagegen in der Regel keiner mehr. Gibt es Komplikationen, entfernen Chirurgen daher das gelblichgrüne Hohlorgan im Handumdrehen. Doch stehen die Probleme mit einer Überernährung in Zusammenhang – was oft der Fall ist – sind die Beschwerden der Gallenblase auch ein wichtiges Warnsignal des Körpers, dass der Patient sich bewusster und gesünder ernähren und mehr bewegen sollte. Mit einer Operation kann ein Arzt zwar die Beschwerden beseitigen, aber das Problem des Übergewichts und Bewegungsmangels löst er damit nicht. Auch wenn Betroffene ohne Gallenblase problemlos leben können, sollten sie sich die Botschaft des kleinen Organs zu Herzen nehmen.


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